g o l d r a u s c h _ w i e n
onlineshop
galerie
bio
malkurse
texte

 

kunst zwischen selbstverwirklichung und auftragsarbeit


stereotypen fallen nicht vom himmel, sondern sind verdichtungen von wahrnehmungen einer kollektiven mehrheit. so ist zum beispiel das bild des künstlers als einzelgänger, der sein dasein mehr oder weniger jämmerlich am rande der gesellschaft dahinfristet, sehr verbreitet. es fällt uns auch sofort zumindest ein grosser künstler, der tatsächlich so gelebt hat, nämlich der vielstrapazierte Van Gogh. ohne jede aussicht auf kommerziellen erfolg schaffte er unermüdlich und unverstanden sein grossartiges werk. berührend und eindrucksvoll, kann aber aus mehreren gründen nicht als wegweiser für nachwuchskünstler dienene. zum einen litt van gogh an persönlichkeitsstörungen, war also in der einen oder anderen form geisteskrank und andererseits kann die tatsache, dass jemand als künstler unverstanden und erfolglos am rande der gesellschaft sein dasein dahinfristet nicht als beweis für dessen genialität hergenommen werden. ganz im gegenteil, die weitaus grössere mehrheit der aus der kunstgeschichte etablierten maler war erfolgreich, zumindest in dem sinne, dass sie von der malerei leben konnten, viele, und da sind durchaus die meisten stars darunter, wahren ausgesprochen vermögend.
der wandel vom maler als kunsthandwerker, der in den austausch von gesellschaftlichen waren und dienstleistungen voll integriert war zum ärmlichen und einsamen eigenbrötler ist relativ neue erscheinung. erst in der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts tauchten künstler auf, die bilder ohne konkrete käufer und auftraggeber drauflosmalten. der grösste unterschied lag aber in der intention des künstlers. bis zur ersten hälfte des 19. jahrhunderts verstanden sich die künstler als kunsthandwerker, deren wichtigste aufgabe es war den wünschen und bedürfnissen des publikums entgegenzukommen. rubens verstand es zum beispiel hervorragend sowohl hohen künstlerischen anspruch als auch gefälligkeit und kommerz zu vereinen. rembrandt weitaus weniger, vor allem gegen sein lebensende ist sein werk der zeit um jahrhunderte voraus, stösst aber auf ablehnung und unverständnis. somit ist er wahrscheinlich einer der ersten "wahrhaftigen" künstler, einer der seinen weg ohne rücksicht auf wohlstand und anbiederung bis zum ende gegangen ist. kann aber auch sein, dass seine abkehr von der gesellschaft auch durch seine privaten und finanziellen tragödien bedingt war. nichtsdestotrotz kann er als ein künstler bezeichnet werden, der wenn er die wahl zwischen persönlichen künstlerischen visionen und dem geschmack seiner bilderkäufer hatte, sich in den meisten fällen für das erstere entschied.
was ist nun die aufgabe eines künstlers? soll er danach trachten die eigenen visionen konsequent umzusetzen, egal wie unverständlich sie für andere sind, oder soll er sich nach dem geschmack von potentiellen bilderkäufern richten. die gesellschaft verlangt wahrhaftigkeit, die künstler tun meistens so als würden sie diese auch liefern, tun es aber in den seltensten fällen wirklich. in den meisten fällen wird aus dem künstlerischen schaffen ein kompromiss aus dem was man gerne ohne jeglichen kommerziellen anspruch machen würde und was "gut ankommt". klingt vielleicht etwas verlogen, aber sich der maler nicht danach richtet, ist die gefahr gross, dass er, so wie seine verwandschaft schon immer prophezeit hat, tatsächlich einmal unter der brücke landet. und dass er nach seinem tot vielleicht irgendwann einmal tatsächlich entdeckt wird, ist äussert gering und wird ihm dann auch kein trost mehr sein.
es gibt auch mittelwege. um wirklich völlig unabhängig vom kunstmarkt schaffen zu können, muss man finanziell eigenständig sein, dass heisst man muss jobs annehmen, die einem das überleben ermöglichen und einem dennoch genug zeit und energie für das künstlerische arbeit lassen. ach ja, eine familie wollte man auch irgendwann einmal gründen...
ein anderer akzeptabler weg ist es das eigene werk in "öffentliche" und "private" arbeiten zu teilen. im letzteren schafft man in erster linie nur für sich alleine, ohne rücksicht auf alle kommerzielle kriterien und zeigen muss man diese bilder auch niemandem, da man vom verkauf der ersteren lebt.

jetzt mag es durchaus einen schrei der empörung geben, nämlich von jenen leuten, die vom künstler ehrlichen und unverfälschten ausdruck in einer ansonst verlogenen gesellschaft verlangen. schön und gut, aber dieselben leute wollen es wahrscheinlich nicht, dass sie dann auf der strasse von den selben ehrlichen und unverfälschten künstlern um geld angebettelt werden. und dieselben leute sind dann unter umständen auch schnell in der ablehnung von zwar ehrlichem aber "unverständlichem zeugs".

kein unternehmer kann es sich leisten auf dauer die bedürfnisse des marktes zu ignorieren. künstler, sofern sie von ihrer kunst tatsächlich leben wollen, bilden da keine ausnahme.

 

hört auf eure instinkte.

 

goldrausch

 

startseite | impressum | kontakt | links