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g
o l d r a u s c h _ w i e n
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wann ist ein bild fertig oder schaut gut aus, lass´es so...
wir künstler haben es nicht leicht. nicht nur, dass wir uns regelmässig mit menschen herumschlagen müssen, die es ganz und gar nicht gut mit uns meinen, nein, wir sind auch immer wieder gezwungen gut gemeinte ratschläge abzuwehren. lebensgefährtInnen, verwandte oder sonst irgendwie reinplatzende freunde und bekannten können zum beispiel eine unerschöpfliche quelle höchst nervenaufreibender tips sein. von potentiellen oder gar tatsächlichen bildkäufern ganz zu schweigen. deshalb auch gleich mein rat an alle ambitionierten nachwuchskünstler: suchen sie sich als partnerIn möglichst jemanden aus, der keine ahnung von kunst hat und ihrem werk nicht das mindeste interesse entgegenbringt. wenn ihre zukünftige oder ihr zukünftiger eine explizierte meinung zu ihren kunstwerken abgeben sollte, als "hm, ja, uhm, ganz...interessant", dann vergessen sie die angelegenheit. alles andere würde mit der zeit in völlig unnötige auseinandersetzungen ausarten. von künstlerbeziehungen will ich natürlich gänzlich schweigen. sie können ihren job noch so sehr mögen, aber wenn sie nach hause kommen, dann wollen die meisten menschen ruhe. die ist in künstlerbeziehungen so gut wie nie gegeben. nun gut. selbst künstler brauchen ein mindestmass an sozialen kontakten und deshalb lassen sich gutgemeinte ratschläge fast nicht vermeiden. in der langen reihe von solchen nicht eingeforderten tips steht ganz oben auf meiner persönlichen hitliste: schaut gut aus, lass´es so... von diesem tip gibt es noch eine verschärfte variante, die ich bei jeder gelegenheit gerne selber unter die menschen streue und die lautet: lass´es so, es ist gut. haust einen guten firniss drüber und es wird super ausschauen. spass
bei seite. die angelegenheit ist ernst. hier handelt es sich um ein
vielschichtiges problem, welches von uns sorgfältige auseinandersetzung
abverlangt. zunächst geht es hier um einen konflikt, nämlich
den zwischen künstler und betrachter. jeder künstler wünscht
es sich "verstanden" zu werden, d.h. dass seine intention
vom betrachter wahrgenommen und richtig interpretiert wird. das funktioniert
aber alles andere als reibungslos. der grund dafür ist einleuchtend.
der betrachter hat keine ahnung vom mühsamen schöpfungsweg,
den der künstler mit nahezu jedem seiner werke zurücklegt.
er sieht nur das endergebnis und hat somit keine ahnung von unseren
visionen, selbstzweifeln, heraus-forderungen, problemlösungen und
vom umstand, dass das besagte kunstwerk etliche male drauf und dran
war als misslungenes projekt in der mülltonne zu landen. man sitzt als aufstrebender junger künstler an der staffelei, müht sich ab, hat gerade einmal das grundkonzept der vision umgesetzt, die eigentlichen probleme sind noch gar nicht in angriff genommen worden und die lebensgefährtin, die gerade mit vollen einkaufstaschen nach hause gekomme ist, wirft einem im vorbeigehen den satz zu: schaut gut aus. lass´es so. hm. sowas kann einen jungen, aufstrebenden künstler ganz schön aus der fassung bringen. was tun? sollte man es wirklich lassen? es garantiert einem ja niemand, dass sich die ganze mühe auszahlen wird und das endgültige bild würde vielleicht wirklich schlechter sein, als das lockere zwischenergebnis, welches man gerade in der hand hält. potentielle bildkäufer können ebenfalls kräftig zur unsicherheit beitragen. in meinem fall haben sich diese zum beispiel gerne von bildern begeistert gezeigt, die meiner meinung nach völlig misslungen oder nicht einmal annähernd fertig waren. die welt ist überhaupt voll von menschen, die uns gerne sagen würden, was wir tun oder lassen, welche motive wir malen sollten oder eben wann ein bild fertig ist oder nicht. ich
habe für mich schon seit langem eine eindeutige entscheidung getroffen.
ich höre mir jeden tip gerne an, manche weniger gerne, zugegeben,
aber was meine kunst angeht, so so ist einzig und alleine meine meinung
relevant. wie schon gesagt, solange man als künstlerpersönlichkeit
nicht ausgereift ist, ist das gar nicht einfach, aber man muss anfangen
daran zu arbeiten. oder besser gesagt, die entscheidungen nach bestem
wissen und gewissen treffen, auch wenn das erstere nach vorhandenem
erfahrungs- und wissensstand eher bescheiden ausfällt. ob sie erfolgreich sind, entscheiden sie ganz alleine, sonst niemand.
hört auf eure instinkte.
goldrausch
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