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o l d r a u s c h _ w i e n
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natur- oder fotomalerei?
um diese problematik besser verstehen zu können, sollten wir uns einmal die vor- und nachteile der beiden motivarten näher anschauen. der grosse vorteil der malerei nach der natur ist die unbegrenzte menge an information. man kann sehen, spüren, riechen, tasten, paar schritte zurückgehen usw. die farben, schattierungen und übergänge sind nahezu unendlich und nicht so wie beim foto durch auflösungen begrenzt. mit anderen worten, die fülle von information ist bei der natur unendlich viel grösser als bei einem zweidimensionalem foto. welche vorteile bietet dann das foto? was maltechnik angeht, so gut wie gar keine. da ist die natur einfach unschlagbar im vorteil. dennoch kann es immer wiede reizvoll sein, nach foto zu malen. ein grund ist die motivvielfalt. sie werden sich so teure und gute modelle kaum leisten könne, wie sie sie mühelos auf fotos finden können. und wenn sie ausgefallenere motive interessieren, die zum Beispiel in Richtung Illustration und Genremalerei, so sind sie mit fotos sicherlich besser bedient. es sei denn, sie haben vor, sich im zimmer eine nachbildung von waterloo oder fliegenden raumschiffen aufzustellen. fotomalerei hat noch einen vorteil, der zum beispiel meinem charakter sehr entgegenkommt. eine der wunderbarsten eigenschaften der malerei ist für mich die ruhe und abgeschiedenheit des eigenen ateliers. passanten oder modelle würden da nur stören. aber wie schon gesagt, dass ist mehr sache ihrer eigenen persönlichkeit. nachteile der fotomalerei der gravierendste nachteil ist der mangel an information. komplizierte und dreidimensional sehr ausgeprägte formen erscheinen auf fotos oft als ein einziger nichtssagender fleck, der sich dann sehr prominent und höchst unangenehm auf ihrer leinwand ausbreitet. wie geht man damit um? es gibt da einige ansätze, die ich an dieser stelle nur kurz anreissen möchte: entweder sie malen ihn konsequent als fleck oder sie versuchen das dahinterliegende konstrukt dreidimensional nachzukonstruieren. aber dazu ausführlicher an anderer stelle (oder in meinem malkurs ;). aus diesem grund merkt man gemälden oft an, dass als vorlage fotos gedient haben. diese bilder wirken dann blutleer und dünn, wie schlecht kolorierte s/w fotos. ausserdem ist es gar nicht so einfach gute fotomotive zu finden. das liegt nicht daran, dass es sie nicht gibt, sondern dass viele leute nicht wissen, welche fotos sich als malvorlagen eignen. ich habe zum beispiel oft die erfahrung gemacht, dass malschüler fotovorlagen mitbringen, die sich überhaupt nicht als vorlagen für gemälde eignen. welche voraussetzungen soll eine gute fotovorlage mitbringen? sie sollte gross genug sein. von passfotos würde ich abraten. lichtquelle sollte eindeutig sein. licht und schattenseiten des dargestellten objektes sollten deutlich voneinander getrennt sein. kein diffuses licht, es sei denn sie wollen diffuse bilder malen. mehrere lichtquellen stellen den malschüler vor schwierige probleme, können für einen erfahrenen maler durchaus eine bereichernde herausforderung darstellen. auflösung sollte gross genug sein um details erkennen zu können. zeitungsfotos sind demnach als vorlagen kaum geeignet. und jetzt komme ich zur wichtigsten eigenschaft und diese gilt nicht nur für die malerei nach foto und malerei, sondern für ihr gesamtes schaffen: DAS MOTIV SOLL IHNEN EIN ANLIEGEN SEIN. es macht keinen sinn den betrachter mit ansichten zu quälen, die sie als maler schon gelangweilt haben. das heisst, dass sie das motiv innerlich berührt und es ihnen freude machen sollte, sich damit auseinanderzusetzen. wenn sie kein solches motiv finden können, dann legen sie den pinsel lieber weg und machen was anderes. töpfern oder kegeln, zum beispiel. nur fotomalerei? davon würde ich abraten. eine möglichkeit um zu verhindern, dass ihre gemälde wie kolorierte s/w fotos ausschauen, ist parallel zu der malerei nach fotos, zu übungszwecken, viel nach der natur zu malen. dann entwickeln sie ein gespür für formen und dreidimensionalität, die ihnen hilft auch fotovorlagen überzeugend auf die leinwand rüberbringen zu können. nun, wie so oft im leben, kann man bei der auswahl ob man nach fotos oder der natur malt, keine hundertprozentigen regeln aufstellen. es gibt wunderbare fotomalerei, schreckliche bilder nach der natur und umgekehrt. mit der zeit entwickeln sie sowieso ein gefühl dafür, was ihnen mehr liegt. und deshalb... ...hört auf eure instinkte.
goldrausch |
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