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o l d r a u s c h _ w i e n
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marktsättigung als karriereknick
es ist allgemein verbreitet, dass es kein einheitliches profil für erfolgreiche künstler gibt. nichtsdestotrotz gibt es einige archetypen und auf einen solchen will ich im folgenden artikel eingehen. unser/e künstler/in ist jung bis mittelalterlich und stammt aus durchschnittlichen bis besseren verhältnissen. kann über eine bürgerliche ausbildung verfügen, die ihn/sie aber nicht zu übermässig enthusiastischen leistungen animiert. steckt also bisschen in einer orientierungskrise. in so einer phase kommt die kunst genau richtig, nämlich als möglicher ausweg aus der misere eines auf dauer knochen- und seelenbrechenden vollzeitjobs. man/frau würde ja gerne auch was kreatives machen. ein paar mal- und zeichenkurse sind schnell gemacht, aber der/die aufstrebende künstler/in merkt bald, dass diese zeitverschwendung sind (da muss ich auch beipflichten, die meisten zumindest;)). ausserdem ist die kunstwelt voll von selfmade künstlern, die es binnen kürzester zeit ohne irgendein vorwissen zu superstars gebracht haben. und das was die können, kann unser/e aufstrebende/r künstler/in allemal. können sie wirklich, genauso wie 90 % der weltbevölkerung. das ist aber nicht der punkt, den das "können" dieser superstars liegt meistens auf anderen gebieten und das nicht zu knapp, das übersehen aber die meisten. wie auch immer. unser/e aufstrebende/r künstler/in zieht sich für paar wochen oder monate zurück und schafft in einem unglaublichen schaffensrausch eine ganze serie von atemberaubenden kunstwerken. atemberaubend zumindest im direkten vergleich mit den obengenannten superstars. nächster schritt, die kunstwelt erobern. heute ein innenstadtcafe, morgen das guggenheim museum! der erstbeste lokalbesitzer, der regelmässig bilderausstellungen in seinem cafe organisiert, will prompt unsere/n künstler/in gross herausbringen, sprich einige bilder aufhängen. was die bilder im detail angeht, so zeigt er sich nicht besonders enthusiastisch, aber im jahrelangen umgang mit amateurkünstlern hat er gelernt ihrer eitelkeit mit mindestaufwand entgegenzuschmeicheln und so stellt er zumindest paar höflichkeitsfragen. kaufen will er trotzdem nichts, der sack! er wird es eines tages noch bereuen, wenn dieselben werke millionenbeträge wert sind. dann kommt auch schon der lang ersehnte tag. die vertreter der medien lassen trotz vieler persönllicher einladungen auf sich warten, das cafe ist dennoch pumpvoll. keine noch so weit entfernte tante hat den weg gescheut und steht nun staunend seite an seite mit ehemaligen und jetzigen arbeitskollegen, freunden, ehemaligen schulkameraden usw und wundert sich über das schier unglaubliche talent unsere/r/s aufstrebenden künstlers/in. "also das hätte ich mir nie gedacht, dass wir in unserer familie einmal eine/n solche/n künstler/in haben werden...", schulterklopfen und anerkennungen folgen. und was noch viel wichtiger ist, die geldbörsen sitzen locker. der eine onkel lässt sich das eine bild reservieren, die eine tante will ein anderes gleich mitnehmen usw. bei den preisen muss man natürlich zuschlagen, solange sie noch auf diesem level sind. wer weiss, bald würde man sie sich wahrscheinlich gar nicht leisten können. der/die begeisterte jungkünstler/in kommt mit dem picken der berühmten kleinen roten pünktchen gar nicht nach und bevor der abend vorbei ist, sind fast alle bilder verkauft. fast, denn eines oder zwei sind "unverkäuflich" und daher im besitz der/s künstlers/in. dabei handelt es sich um ausserordentlich gelungene und intensive werke, wo er/sie ganz besonders inspiriert war. meistens geht es dabei um das aufarbeiten von wichtigen und schwierigen emotionalen erlebnissen. "schade", seufzt eine tante, "gerade dieses bild" hätte ich so gerne über unserem wohnzimmersofa gehabt. der/die künstler/in setzt ein verlegenes lächeln auf, "es ist halt unbezahlbar..." . der onkel scheint dagegen eher froh zu sein. diese erste ausstellung wird ein durchschlagender erfolg und ruft natürlich nach mehr. innerhalb des nächstmöglichen termins wird die nächste ausstellung organisiert. und obwohl der/die künstlerin in dieser kurzen zeit als mensch und künstler/in unglaublich herangereift ist, zeigt sich die verwandt- und freundschaft dieses mal etwas zurückhaltender. es wird zwar noch immer gekauft, aber die lobeshymnen bleiben irgendwie aus. und einige eingeladenen haben sogar mehr oder weniger fadenscheinige gründe angeben, warum sie nicht kommen konnten. wie auch immer, sie würden es bereuen. sie haben damit eine gelegenheit verabsäumt, sich eine satte zusatzpension zu verdienen. medienleute zeigen sich noch immer höchst unbeeindruckt und glänzen durch abwesenheit. die
dritte ausstellung wird dagegen zu einem regelrechten fiasko. sogar
die lieblingstante, die bisher unsere/n aufstrebenden künstler/in
völlig unvoreingenommen emotional und finanziell unterstützt
hat, zeigt sich plötzlich reserviert. sie kauft zwar wieder, aber
statt der lobeshymnen sagt sie mit etwas saurem lächeln: "kind,
ich habe schon drei bilder von dir gekauft. in zukunft wirst du dich
um andere käufer bemühen müssen, gell?". ein schlag
ins gesicht! knallhart. der verwandtschafts- und freundschaftsmarkt ist gesättigt und das relativ schnell. zuerst läuft alles wie am schnürchen, aber die ressourcen sind hier rasch erschöpft und dann muss man sich um alternativmärkte kümmern. unsere/r aufstrebende/r künstler/in ist am boden zerstört. soviel mühe, aufopferung und schaffensrausch und das ist der dank! na sie würden es schon alle sehen, wenn einmal die grossen galerien einmal aufgesprungen sind. prompt macht sich der/die aufstrebende/r künstler/in mit der bildermappe unter der hand auf die suche nach geeigneten galerien. die sind allerdings ein anderes kaliber als die zumindest am anfang zuvorkommende verwandtschaft und lassen unsere/n jungkünstler/in eiskalt abblitzen. und wie eiskalt, professionell eiskalt eben! nach ca. drei misslungenen versuchen ist es klar. das künstlerdasein ist hart. vor allem, wenn der verwandtschafts- und freundschaftsmarkt gesättigt ist und das passiert schneller als man denkt. das ist der punkt, wo die meisten aufstrebenden jungkünstler/innen den pinsel an den nagel hängen und anfangen wieder die stelleninserate in den zeitungen aufmerksam zu studieren. und das ist gut so.
hört auf eure instinkte.
goldrausch
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