g o l d r a u s c h _ w i e n
onlineshop
galerie
bio
malkurse
texte

 

malen lernen I - den richtigen lehrer finden


jeder kann malen lernen. der grad der begabung bestimmt lediglich wie schnell man sich weiterentwickelt und meine erfahrung hat gezeigt, dass sich mit durchschnittlichem talent und hoher motivation auf dem gebiet der malerei sehr viel erreichen lässt. natürlich gibt es auch absolute antitalente, aber die sind so selten wie genies und daher für pädagogische zwecke statistisch zu vernachlässigen.

nun, wie lernt man malen?

zunächst sollte man sich einen guten lehrer aussuchen. mit dem steht und fällt so ziemlich alles. unterrichten muss man sich so vorstellen, wie wenn man von einem gefäss flüssigkeit in ein anderes giesst. wenn im ersten gefäss schon wenig flüssigkeit drinnen war, so wird sie im zweiten nicht mehr, eher weniger. bisschen was schüttet man ja auch daneben.

braucht man überhaupt einen lehrer?

ich würde sagen - ja. natürlich kann man es auch alleine versuchen, aber das hat einen entschiedenen nachteil. jedes problem mit dem man als nachwuchszeichner oder -maler konfrontiert ist, haben andere künstler schon tausend- und millionenfach gelöst. mit der eigenständigen lösung verlieren sie viel zeit, ein lehrer dagegen, würde sie lediglich bei der hand nehmen und ihnen einen ausweg aus der vermeintlichen sackgasse zeigen. das ist der vorteil eines guten lehrers, soll aber einzelgänger nicht davon abhalten, den weg alleine zu beschreiten.

wie sucht man sich einen passenden mallehrer aus?

eigentlich ganz einfach - man schaut sich seine werke an. wenn sie einem gefallen und man so malen und zeichnen will, dann ist schon viel gewonnen. natürlich kann sich ein guter pädagoge auch auf seine schüler einstellen und ihnen aufgrund seiner erfahrung und seines wissens wege weisen, die er selber gar nicht oder zumindest nicht zur gänze beschritten hat, aber dem sind grenzen gesetzt. man kann eben nur das weitergeben, was man beherrscht und woran man selber glaubt.
es mag verwunderlich klingen, aber von vielen mal- und zeichenlehrern gibt es gar keine werke zu sehen. ist eigentlich gar nicht verwunderlich, wenn man bisschen einblick in die herkömmlichen mal- und zeichenkurse gewonnen hat, denn in sehr vielen mal- und zeichenkursen wird gar nichts gelernt. die leute treffen sich, haben spass miteinander, der kursleiter jedem regelmässig auf die Schulter, gibt ab und zu unverfängliche tipps, wie z.b. "mehr emotionen hineinlegen" und das war es. gegen solche kurse spricht freilich gar nichts, die meisten teilnehmer sind wahrscheinlich sehr zufrieden, sie treffen gleichgesinnte, entspannen sich, zeichnen und malen werden sie dort jedoch sicher nicht lernen.

wenn sie einen potentiellen mal/zeichenlehrer nach seinen arbeiten bewerten, so werden sie unter umständen ein blaues wunder erleben. sie werden merken, dass es gar nicht so einfach ist, einen passenden lehrer zu finden.

muss man so malen/zeichnen lernen wie der lehrer?

nein. ein guter lehrer ist nicht daran interessiert, kopien seiner selbst zu vervielfältigen. er weiss, dass die welt mit einem exemplar seiner selbst schon ausreichend bedient ist. die grundausbildung ist für alle mehr oder weniger gleich. es geht ums sehen lernen, proportionen, farbenlehre, bisschen kunstpsychologie und -geschichte und handwerkliche fertigkeiten, wie z.b. leinwände aufspannen, malmittel aussuchen usw. dann nach einigen jahren, trennen sich allerdings die wege. wenn die basisprobleme gelöst sind, kann es sein, dass sich schüler und lehrer trennen müssen, weil sie nicht mehr den gleichen weg beschreiten. aber wie schon gesagt, dass passiert erst in einigen jahren und ist hier nicht thema der einführung. grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass der lehrer die aufgabe hat den schüler auf SEINEM weg zu begleiten und nicht versuchen soll ihn in eine richtung zu drängen, die dem schüler nicht als wünschenswert erscheint.

wie lange braucht man um malen zu lernen?

eine meiner lieblingsfragen. es ist einmal eine potentielle malschülerin zu mir gekommen um portraits malen zu lernen. ein ehrenwertes unterfangen, zweifellos. ich fragte sie, warum sie es malen lernen wollte. sie antwortete, dass sie im herbst eine ausstellung beabsichtige. tja.
wenn man malen lernen will, braucht man in monaten nicht zu denken. jahre sind weitaus besser geeignet um entwicklungsschritte aufzuzeigen. ich würde sagen, dass sich etwa in 3 jahresschritten deutlich erkennbare entwicklungen manifestieren. der rest ist harte arbeit.

wie ich angefangen malen zu lernen, bin ich selber einigen illusionen nachgehangen. ich habe geglaubt einmal "auszulernen". dann hat man malen fertig- und ausgelernt und dann malt man halt bis an sein lebensende. ein grosser irrtum. egal wie lange sie malen und wie gut sie es können, jedes mal ist es eine herausforderung vor die staffelei zu stellen. die schwierigkeiten mit denen sie zu kämpfen haben, werden vielleicht immer subtiler und für aussenstehende immer weniger nachvollziehbar sein, aber das malen wird nicht einfacher. ganz im gegenteil, würde ich sagen. je länger der weg ist, denn sie gehen, desto mehr wird sich der horizont vor ihnen öffnen und desto klarer wird ihnen, wie winzig diese wegstrecke im grunde eigentlich war.
natürlich werden sie sattelfester und erfahrener. vielleicht werden sie sogar in der lage sein ihr repertoire fehlerlos abzuspulen, aber das ist es dann auch. wirklich gute malerei ist immer ein grenzgang zwischen dem was sie können und dem was sie gerade noch nicht in der lage sind darzustellen, das heisst es ist immer eine herausforderung. wenn malerei einmal aufhört eine herausforderung für sie zu sein, so wird man das in ihren bildern spüren. solche traurigen beispiele wird es in ihrer umgebung genug geben.

ein malerkollege hat einmal gesagt: wenn sie gute bilder malen wollen, müssen sie jeden tag in der lage sein, sich selber zu überraschen. ein weiser satz.

so, jetzt haben sie einen mallehrer, sie sind voller guter vorsätze, was müssen sie jetzt tun?

die antwort ist einfach - sie sollten malen. um das zu tun, müssen sie ein bedürfnis haben zu malen, sonst werden sie lieber ein buch lesen oder fernsehen. es ist besser malen zu wollen, aber es nicht zu können, als malen zu können und nicht zu wissen was man damit anfangen soll. der erstere kann es lernen, der zweitere wird gar nichts machen, ausser mir vielleicht als malschüler auf die nerven gehen, weil er sich anstatt zu malen nicht für ein bildmotiv entscheiden kann ;))

wie oft und wie lange sie malen sollten, hängt von ihren ambitionen ab. wenn sie einfach nur freude an der kreativität, entspannung und ausgleich suchen, dann ist es egal wie oft und wie lange sie malen und zeichnen. so viel sie eben lust und zeit haben. wenn sie weiterkommen wollen oder vielleicht sogar einmal davon leben wollen, dann ist ein fertiges bild pro woche ein muss und nach möglichkeit sollten sie jeden tag malen. wie schon gesagt, das hängt von ihren ambitionen ab.

ich höre oft - ich würde ja gerne weiterkommen und malen, aber ich habe keine zeit. das kann ich nicht immer glauben. der durchschnittsösterreicher schaut am tag zweieinhalb stunden fern. das sind in der woche mehr als 15 stunden! anstatt vor der kiste zu versauern könnten sie auch malen, zeichnen oder sonst irgendwas sinnvolles tun. ausserdem können sie neben dem fernsehen, musik oder radio hören malen und zeichnen. möglichkeiten gibt es viele, sie müssten sie nur sehen.

so, jetzt haben sie einen mallehrer gefunden, sie sind motiviert, haben ihrem boss, ihrer familie, ihren freunden mühsam paar freie stunden abgerungen und - was nun?

die fortsetzung folgt in "malen lernen II - von der kraft der ahnungslosigkeit".

 

hört auf eure instinkte.


goldrausch

startseite | impressum | kontakt | links