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g
o l d r a u s c h _ w i e n
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warum finden menschen oft jene bilder besser, die malschüler vor ihren ausbildung gemalt haben? wenn man zu malen anfängt ist man voller tatendrang und optimismus. man will der welt zeigen was man alles drauf hat und sieht sich schon in nächster zeit am malerolymp seite an seite mit berühmten kollegen. sofern man sie nicht in kürzester zeit schon hoffnungslos hinter sich gelassen hat. man hat zwar wenig ahnung von der malerei, kompensiert aber diesen mangel mit begeisterung und erfrischendem einfallsreichtum. diese bilder funktionieren tatsächlich oft erstaunlich gut. und dann kommt man in eine malausbildung und kommt drauf, dass man keine ahnung von irgendwas hat. alles was intuitiv noch halbwegs gut funktioniert hat, wird durch eine systematische analyse plötzlich zu einem problem. die fülle von schwierigkeiten erscheint einem malanfänger als eine unüberwindbare wand. um dem zu entgegnen ist es die aufgabe eines guten mallehrers die malerischen herausforderungen einzeln an den schüler heranzuführen, aber davon wird an anderer stelle die rede sein. jetzt kann es passieren, dass durch die monatelange und oftmals jahrelange auseinandersetzung mit dem malerischen handwerk dem schüler der anfängliche elan zumindest zeitweilig verlorengeht. man ist so beschäftigt mit formalen problemen, dass man vergisst, warum man irgendwann in der grauen urzeit den pinsel überhaupt in die hand genommen hat. solche bilder wirken dann zwar nett und korrekt gemalt, aber flau und relativ nichtssagend, vor allem im direkten vergleich mit den bildern aus der anfangszeit. diese unglückliche zwischenstufe sehen professionelle ignoraten gerne als untrüglichen beweis für die kraft der ahnungslosigkeit und ihrer überlegenheit gegenüber dem systematischen wissen und der ihrer meinung nach damit verbundenen last (solche leute gibt es in allen branchen, nicht nur in der malerei). das ist natürlich unsinn. wissen ist so gut wie nie eine last, ausser in einer kurzen phase der aneignung von basisinformation. durch die fülle von horizonten, die sich gleichzeitig öffnen, sind wir so verwirrt, dass sie nicht einmal das zusammenbringen, was sie vor dem kurs mitunter spielerisch (im wahrsten sinne des wortes) zusammengebracht hätten. zugegeben, diese phase ist nicht einfach zu durchstehen. ich kann mich selber daran erinnern. es war zwei oder drei jahre nachdem ich angefangen habe malen zu lernen. ich wurde technisch immer besser, aber meine bilder wurden immer schlechter. das fiel sogar mir auf. ich überlegt mir was der grund war und kam drauf, dass mir der anfängliche spass an der malerei völlig abhanden gekommen war. statt freude fing mir die malerei an kummer zu bereiten. ich war so beschäftigt mit formalen problemen und ihren lösungen, dass ich vergass warum ich überhaupt zu malen anfing. das erkennen eines problems ist natürlich der erste schritt zu seiner lösung und so gönnte ich mir ab dann immer wieder zeiten, wo ich zumindest zeitweise das ganze wissen über bord und versuchte rein intuitiv wieder zu dem zurückzufinden, was mein ursprüngliches anliegen war und das war in erster linie, natürlich wie bei den meisten künstlern, inhalt, aussage und emotion. die wahre kunst besteht dann in der verbindung dieses anfänglichen elans mit dem handwerklichen wissen, welches irgendwann in fleisch und blut übergeht. einem malschüler wird es vielleicht wie utopische literatur klingen, aber alle probleme, die ihm/ihr derzeit den angstschweiss auf die stirn treiben, werden nach einiger zeit (die kann allerdings sehr lange sein) nahezu unterbewusst und automatisch gelöst. dass ist die zeit, wo das wissen nicht mehr wie eine zentnerlast auf den schultern drückt (genauer gesagt drückt nie das WISSEN, sondern immer nur das gefährliche HALBWISSEN) und man sich endlich auf jene dinge konzentrieren kann, die einem wichtig erscheinen. das wissen verleiht in diesem fall flügel, die einem ermöglichen, die eigenen visionen gut und überzeugend umzusetzen. zusammenfassend erklärt: unwissenheit und ahnungslosigkeit werden von ihren anhängern zwar gerne als tugenden verkauft, die einem ermöglichen "frei" und "spontan" schaffen zu können, aber das ist ein trugschluss. die grenzen bildet in diesen fällen immer das eigene unvermögen und die sind recht eng abgesteckt. natürlich kann es einem gelingen durch unbedarftes herumpatzen zeitweise nette ergebnisse zu erzielen, aber auf dauer werden diese weder für den schaffenden noch für sein publikum erfüllend sein. das wirklich freie und spontane schaffen ist in den meisten fällen das ergebnis jahrelanger, wenn nicht jahrzehntelanger arbeit. wer hört das im zeitalter der instant-stars schon gerne? ein kluger mensch sagte einmal: der kampf gegen das böse ist immer auch ein kampf gegen die unwissenheit. und das ist ein kampf, den jeder von uns täglich aufnehmen kann.
hört
auf eure instinkte.
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