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kunst als beruf

wenn sich jemand entschliesst seinen lebensunterhalt in zukunft als kunstmaler zu verdienen, so kann er sich von seinem umfeld allerhand anhören. "du wirst unter der brücke landen, du bist übergeschnappt, glaube ja nicht, dass ich dich ein ganzes leben lang aushalten werde usw.", sind noch relativ nette kommentare. die wirklich böswilligen bemerkungen brauche ich an dieser stelle nicht extra erwähnen, weil sich die jeder ungefähr vorstellen kann. jene die es absolut gut mit einem meinen und selbst in diesen krisenzeiten zum angehenden künstler halten, werden wohl nur wortlos erbleichen.

warum soviel aufregung? es wird so getan, als ob man mit dieser entscheidung das ganze leben zerstört. im schlimmsten fall und ich meine damit wirklich den schlimmsten fall, wird man nach paar jahren einsehen, dass man nicht in der lage ist mit den eigenen künstlerischen bemühungen den lebensunterhalt zu bestreiten. dann wird man sich eben nach einem job umsuchen, entweder im künstlerischen umfeld oder vielleicht ganz was anderes. und was ist verhaut? ok, paar jahre hat man nicht besonders viel verdient aber dafür hat man sicherlich eine menge spass gehabt.

warum dann soviel aufregung wenn sich jemand entschliesst von der kunst zu leben? darüber kann ich nur spekulieren. vielleicht hat es damit zu tun, dass viele menschen davon ausgehen, dass das leben eben ein jammertal ist und das jegliches bemühen möglichst viel freude und spass zu haben, entweder als unmöglich oder zumindest unmoralisch betrachten. die meisten menschen träumen von kreativen berufen, aber es bleiben eben nur bei den träumen. warum sollten sie dann anderen gönnen, was sie selber nicht erreicht haben?
ein anderer grund ist vielleicht weil sich das künstlerdasein für viele menschen nicht seriös und erfolgsversprechend genug anhört. eltern wollen ihre kinder viel lieber als rechtsanwälte und ärzte sehen als künstler. zum einen weil sie ehrlich glauben, dass sie es damit besser im leben haben werden, zum anderen weil diese berufswahl mit wenig prestige verbunden ist, vor allem solange man unbekannt und erfolgslos ist. damit lassen sich beim kaffekränzchen mit den freundinnen eben keine bonuspunkte sammeln, sondern eher mitleidige kommentare, wie "naja, er/sie wird schon irgendwann zur vernunft kommen".
noch ein grund liegt wahrscheinlich in einer speziellen auffassung vom leben. man stellt sich das leben als einen bahnsteig vor, von dem aus man die möglichkeit hat in bestimmte züge zu steigen. und hat man sich einmal für einen zug entschieden und ist eingestiegen, dann war es das auf alle zeiten. wenn sich der zug als falsch heraustellt, dann war man dran. das stimmt natürlich nicht. wir haben alle sehr oft die möglichkeit umzusteigen.
ich erinnere mich an so ein märchen aus meinen jüngeren jahren. da hat es geheissen, dass sich bei bewerbungsgesprächen ein "loch" im lebenslauf von mehr als 6 monaten katastrophal auswirkt. ich bekam dann tatsächlich bei einem bewerbungsgespräch folgenden satz zu hören: alles schön und gut, aber mit dieser "leerzeit" in ihrer biografie habe ich ein problem. meine antwort darauf war: sie sagen es, es ist ihr problem. natürlich bekam ich den job.

andererseits kommt es mir vor, dass der kunstberuf für viele menschen wirklich nicht die geeignete wahl war. zum beispiel weil ihnen wohlstand und finanzielle sicherheit sehr wichtig sind. um diese beiden ziele zu erreichen gibt es wesentlich vielversprechendere berufe und künstler, die sich dauernd darüber beschweren, dass sie zu wenig verdienen, sind wirklich lästig.
viele menschen unterschätzen auch die unternehmerische seite des künstlerdaseins. egal wie gut sie sind, es wird kein mensch an ihre tür klopfen und sagen: "wow, sie sind ein genie! ich mache sie reich und berühmt". um ihre kunst zu verkaufen müssen sie noch einmal so viel ausdauer, kreativität und phantasie aufwenden, wie bei der herstellung ihrer werke. ich gehe davon aus, dass kommerzieller künstlerischer erfolg aus 1/3 kunst und 2/3 marketing besteht. mag vielleicht unfair und hart klingen, aber so ist es.

natürlich träumt jeder künstler davon, einen manager zu haben, der ihm alle nicht künstlerischen belange abnimmt, damit man sich ganz und gar auf die kreativen tätigkeiten konzentrieren kann. klingt gut, ist aber in der praxis äusserst selten. ich kenne einige künstler, die finanziell durchaus erfolgreich sind, aber sie alle wenden für marketing fast genauso viel zeit auf, wie für die herstellung ihrer kunst.

in welchem fall soll man sich dann für den kunstberuf entscheiden? ich würde sagen, wenn einen die innere stimme dazu drängt. dieser entscheidung stehen oft "vernünftige" argumente entgegen, aber es kann nichts vernünftig sein, was uns langfristig nicht guttut.

wenn ich erwähne, dass ich von der kunst leben, bekomme ich oft folgenden satz zu hören: es ist schwer von der kunst zu leben. stimmt, aber dabei wird übersehen, dass allerhand im leben "schwer" ist. es ist ebenfalls schwer 40 jahre lang in einem büro zu arbeiten oder einen beruf auszuüben, den man nicht mag.

es ist eben alles schwer oder alles leicht im leben. hängt nur von der eigenen auffassung ab.

hört auf eure instinkte.

 

goldrausch

 

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