|
g
o l d r a u s c h _ w i e n
|
||||
|
künstler als bessere menschen eines hat mich immer stutzig gemacht. ich kenne eine menge künstler, die sich in ihrem kunstschaffen für menschenrechte, toleranz, meinungsfreiheit und ähnliche lobenswerte agenden einsetzen. betrachtet man ihre werke ohne diese menschen persönlich zu kennen, wird man wahrscheinlich zu vorurteilen geneigt sein, zu positiven allerdings. man wird davon ausgehen, dass es sich hierbei um besonders tolerante, weltoffene usw. menschen handelt. die ernüchterung wird mitunter sehr gross sein und man wird zum schluss kommen, dass manche dieser künstler die oben genannten eigenschaften nicht einmal annähernd besitzen. wenn man dieser erkenntnis weitere intime einblicke aus der kunstszene hinzufügt, bekommt man ein überraschendes bild. statt an eine kollektiv gesellschaftliche gewissensinstanz, die kunstschaffende oft für sich beanspruchen, erinnern viele künstler als privatpersonen eher an vetreterinnen des horizontalen gewerbes, die sich im kampf um die besten bordsteine mit handtaschen gegenseitig auf die birnen hauen. ein anderes illustres beispiel künstlerischen pharesäertums hat man auf den akademien. da hat man die hedonistische herde kunststudenten, die hauptsächlich zwei ziele im leben haben, nämlich möglichst schnell so viel spass und geld wie nur menschenmöglich zu haben. und die sollen wirklich nichts besseres zu tun haben, als sich rührend um die belange von immigranten, politisch verfolgten und waisenkindern in der dritten welt kümmern? zumindest auf der leinwand, halt. ich sehe die nachricht, doch kann ich sie nicht ganz glauben. woher diese diskrepanz? warum bemühen sich künstler in ihrem kunstschaffen als menschen darzustellen, die sie in ihrem privatleben nie und nimmer glaubwürdig rüberbringen könnten? dieser hang zur sozialen theatralik besteht hauptsächlich in der darstellenden kunst. schriftsteller, schauspieler und musiker sind von diesen unglaubwürdigen selbstinszenierungen frei. es erwartet kein mensch von robbie williams, dass er sich in seinem nächsten lied mit dem walsterben oder der verfolgung politisch andersdenkender in china auseinandersetzt. warum erwartet man das dann von malern? interessanterweise ging diese politisierung der kunst hand in hand mit dem wegfall des formal-handwerklichen anspruchs. nach dem motto, "ok, wir bringen als maler zwar kein gescheites gesicht mehr zusammen, aber dafür setzen wir uns für die entrechteten kleinbauern in nairobi ein". dieser tauschhandel, so absurd er auch klingen mag, scheint sich in der welt der darstellenden kunst sogar durchgesetzt zu haben. und hand aufs herz, wer will schon kleinkrämerliche kritik üben, wenn es um eine gute sache geht. der rest war wahrscheinlich eigendynamik. ich habe den eindruck, dass einzelne künstler nicht einmal mehr in der lage sind den widerspruch zwischen ihren werten und einstellungen als privatperson, die zum beispiel konservativ und reaktionär sein können und der gutmenschlichen inszenierung als künstler wahrnehmen können. toleranz, weltoffenheit und politisches und soziales engagement ist einfach in die offizielle stellenbeschreibung eines darstellenden künstlers übernommen worden, egal wie unglaubwürdig das in einzelnen fällen sein mag. jetzt kann man argumentieren: "ok, der einsatz für die gute sache mag in erster linie berechnet sein, aber es wird trotzdem etwas gutes bewegt." hm, genau das glaube ich nicht. wenn der einsatz für das gute zur farce und pose wird, wird gar nichts bewegt, ausser dass vielleicht geldflüsse ins börsel des künstlers gelenkt werden. ausserdem wird die aufmerksamkeit von projekten gelenkt, die tatsächlich etwas bewegen können, wie z.b. das integrationshaus von kurt resetarits. der malt aber auch keine bilder, sondern tut WIRKLICH was und das ist wahrscheinlich nicht besonders glamourös sondern eher mühsam und aufreibend. und vor solchen arbeiten drücken sich künstler gerne. ok, aber was ist dann mit guernica oder den bürgerkriegsbildern von goya? allesamt erschütternde anklagen gegen den krieg. stimmt, aber der springende punkt dabei ist, dass die werke von pikasso oder goya unabhängig vom thema funktioniert haben. egal ob pikasso bordelldamen oder eine von bomben zerstörte stadt gemalt hat, es war hervorragend. ich rede hier in erster linie von betroffenheitskunst, die ihre existentielle rechtfertigung aus der berechneten gutmenschlichkeit schöpft und nicht aus der objektiven qualität des werkes. mit anderen worten, formale mängel eines werkes, lassen sich nicht durch berechnet gewählte inhalte aufwiegen. es soll jeder malen was er oder sie will. und das ist es. es besteht weder ein zwang sich in der kunst mit aktuellen sozialen oder politischen problemen auseinanderzusetzen, noch gibt es einen grund diese themen, sofern sie dem künstler ein ehrliches anliegen sind, zu meiden. seid, so wie ihr seid, auch in der kunst. hört
auf eure instinkte.
goldrausch
|
|
startseite | impressum | kontakt | links |