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finanzielle freiheit der kunst


es gibt einen bestimmten künstlertypus, ich will hier an dieser stelle keine besondere kunstrichtung anschwärzen, da funktioniert das kennenlernen so: hallo, ich bin künstler, ich brauche mehr geld. es ist ein skandal, dass der staat nichts mehr springen lässt. die freiheit der kunst ist gefährdet, es muss dringend was getan werden.

immer wieder werden auch in dem medien stimmen laut, die förderungen und subventionen für künstler verlangen, damit diese ihre kunst völlig frei und losgelöst von den hemmnissen des kunstmarktes schaffen können. aus der konkreten sicht der betroffenen künstler mag diese forderung völlig verständlich sein, sinnvoll ist sie aber wirklich nur im bezug auf den kontostand des geförderten, von freiheit der kunst kann keine rede sein. der grund ist einfach. es gibt den "staat" nicht. es gibt nur (zumindest in der eu) demokratisch gewählte regierungen, die sehr unterschiedliche interessen und ideologische ausrichtungen haben können. und diese haben nur ein interesse, nämlich so lange wie möglich an der macht zu bleiben. die "freiheit der kunst" interessiert sie nur soweit, wie sie ihnen helfen kann dieses ziel zu erreichen. keine regierung dieser welt ist bereit kunstrichtungen zu fördern, die ihrer ideologischen ausrichtung zuwiderlaufen, und wenn, dann nur zu präsentationszwecken, nämlich um zu zeigen, dass man so tolerant und aufgeschlossen sei, dass man sogar bereit ist künstlern aus dem gegnerischen lager unter die arme zu greifen. von freiheit kann also weit und breit keine rede sein.

soll trotzdem nicht heissen, dass es keine institutionelle und staatliche kunstförderung geben soll. wenn jemand gibt - nimm, heisst es, ohne viel zu überlegen oder gar moralische bedenken zu haben. solche förderungen sind aber nicht als garantie für die freiheit der kunst zu verstehen, sondern als legitime umverteilungen innerhalb einer demokratischen gesellschaft. der zweck ist damit die reine unterstützung von einkommensschwachen gesellschaftsgruppen, wie z.b. arbeitssuchenden oder menschen mit besonderen bedürfnissen.

ich höre schon künstler schreien: wir können nicht mit arbeitssuchenden und menschen mit besonderen bedürfnissen verglichen werden! wir leisten ja was!

ok, wenn was geleistet wird, wozu dann die förderung? wenn was gesellschaftlich brauchbares geleistet wird, dann wird die gesellschaft bereit sein, das finanzielle zu honorieren. das heisst förderungen und subventionen werden für leistungen aufgewendet, für die die gesellschaft nicht bereit ist zu zahlen, weil sie darin keinen nutzen sieht. wer sieht dann einen nutzen darin? wir kommen zurück zum "staat" oder genauer gesagt, der gerade machthabenden regierungspartei. die schmückt sich gerne damit, dass sie künstler am leben erhält, die sonst verhungern würden oder noch schlimmer, jobs in der wirtschaft annehmen müssten.
beim geld hört sich jeder spass bekanntlich auf und demnach bin ich immer misstrauisch, wenn es heisst, dass finanzielle mittel "einfach nur so" aus purer barmherzigkeit fliessen. ich vermute einen berechneten zweck dahinter, nämlich dass damit beim künstler die bereitschaft gekauft wird, sich mehr oder weniger offiziell für den machterhalt der betreffenden partei einzusetzen. mag natürlich nicht immer der fall sein, aber der verdacht liegt nahe. mit anderen worten, nicht nur dass von freiheit keine rede sein kann, es kann vielmehr das gegenteil der fall sein!

ein weiteres paradoxum liegt darin, dass mit diesen geldern meistens künstler gefördert werden, die es am wenigsten notwendig haben, nämlich jene die geschäftstüchtig und gut informiert sind und über gute kontakte verfügen. nicht renommierten künstler, die am rande des existenzminimums ihr dasein fristen und die man eigentlich fördern sollte, gehen meistens leer aus und können sich erst recht mc- jobs suchen. aus welchem grund sollte man sie auch fördern? alleine die tatsache, dass man als künstler erfolglos ist, lässt nicht immer auf genialität schliessen.

ein weiteres argument gegen kunstförderung liegt in der menschlichen psyche. die meisten menschen brauchen für gute leistungen eine gewisse portion druck. so hat zum beispiel ein bekannter deutscher maler gesagt, dass er die besten bilder seines lebens gemalt hat, wie er mit seiner familie in einer winzigen wohnung gelebt hat und obendrein einem job bei der post hatte. daraus kann man natürlich keine notwendigkeit ableiten, dass künstler nur unter solchen bedingungen schaffen sollen, aber es mag dahingestellt sein, ob almosen kreative oder überhaupt irgendeine form von arbeit anregen. ich glaube ehrlich gesagt, dass sie gar keine arbeit anregen.

wohlgemerkt, dass waren grundsätzliche überlegungen zum thema gewährleistung der freiheit der kunst durch staatliche förderungen. wenn eine gesellschaft bereit ist, etwas zu fördern, dann lässt sich nichts dagegen einwenden. es sind auch meines wissens versuche unternommen worden, die oben genannten kritikpunkte zu entkräften, so zum beispiel ankäufe von bildern durch unabhängige kommissionen, stipendien für unbekannte, aber talentierte künstler usw. diese mittel können einigen künstlern (zumindest für eine zeitlang) das finanzielle überleben ermöglichen, die freiheit der kunst können sie aber meiner meinung nach weder fördern noch gewährleisten. frei ist nur der künstler und damit die kunst, die von niemandem finanziell abhängig ist. und wer ist das schon?


hört auf eure instinkte.


goldrausch

 

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