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farbenlehre I - ich male mir das leben bunt


es ist schwer gute lehrbücher auf dem gebiet des zeichnens und malens zu finden. das gilt ganz besonders für die farbenlehre. die meisten lehrbücher auf diesem gebiet sind von autoren geschrieben worden, die von ihrer individuellen wahrnehmung und befindlichkeit ausgehen. teilweise nett zu lesen, so mancher hobbymaler wird da den einen oder anderen tip finden, aber für ambitionierte malschüler unbrauchbar.

in meinen ganzen jahren, die ich der malerei gewidmet habe, ist mir ein brauchbares farbenlehrbuch untergekommen und das ist von hrn. johannes itten und heisst "kunst der farbe". er beschränkte sich in diesem buch auf streng wissenschaftliche fakten und rauskommen tut dabei - gar nicht so viel, alles in allem kaum 100 seiten. mehr lässt sich objektiv über farbe auch nicht sagen. trotzdem wird der ambitionierte malschüler darin alles finden, was er braucht. genauer gesagt, alles was er lernen sollte. kaum 100 seiten, was ist das schon? das ist doch an einem nachmittag durchgelesen. ja, stimmt, aber um es zu begreifen und vor allem umzusetzen, braucht man (wahrscheinlich) einige jahre. war zumindest bei mir der fall

warum sind die meisten anderen farblehrbücher unbrauchbar?

weil sie nicht von objektiven fakten ausgehen. farbharmonien funktionieren wie klangharmonien, d.h. sie funktionieren nach bestimmten gesetzen und regeln. es gibt farbkombinationen, die auf jedem fall harmonieren und welche, die das auf keinen fall tun (auch wenn es eine menge leute geben sollte, die gerade diese kombination super finden...). kann man alles lernen. jetzt gibt es eine menge künstler, die sich dadurch eingeschränkt fühlen und die lieber farbexperiment machen. kann man natürlich machen, aber im free-jazz spontan improvisieren können nur jene, die sich jahrelang intensiv mit musiktheorie und -praxis beschäftigt haben. mit den farben ist es genauso. sinnvoll improvisieren und experimentieren können sie nur, wenn sie vorher die hard facts über farbe gelernt haben. wenn sie eine symphonie schreiben wollen, sollten sie vielleicht auch zuerst noten lernen...

wie ich mit der malerei begonnen habe, hatte ich keine ahnung von farben. ich hatte nicht einmal ein farbgefühl. die farbenlehre hat mir geholfen, mir eines anzueignen. wenn man jahrelang danach malt, dann geht es irgendwann in fleisch und blut über und dann wird es erst wirklich spannend. dann kann man von dieser basis ausgehend anfangen zu experimentieren und zu improvisieren. und zum schluss kommt man darauf, dass man jede farbe mit jeder farbe mischen kann. es ist nur eine frage der dosierung.

wie ich zum malen angefangen habe, habe ich mir eines jener schlechten farbanleitungsbücher gekauft. darin war eine farbtabelle mit ca. 300 verschiedenen farben mit ihren namen zu finden. entsetzt habe ich meinen damaligen mallehrer gefragt ob ich jetzt alle diese farbnamen auswendig lernen muss. er winkte ab. unter den meisten dieser kuriosen namen kann sich kein mensch etwas vorstellen. selbst wenn verschiedene farbproduzenten denselben farbnamen verwenden, heisst das noch lange nicht, dass sie auch dieselbe farbe in der tube finden werden.

wieviele farben muss man sich dann merken?

höchstens 20 würde ich sagen. ich verwende folgende tubenfarben:

zinkweiss, titanweiss, siena gebrannt und ungebrannt, lichten ocker, ultramarin und phtaloblau, cadmiumrot und cadmiumgelb, karminrot und elfenbeinschwarz. das war´s auch schon.

weil ich mit zunehmendem alter immer fauler werde, habe ich seit kurzem folgende farben der palette zugefügt: grüne erde, umbra gebrannt, phtalogrün, orange und violett.

mehr farben braucht man nicht. man braucht nicht einmal diese farben genauer genommen, man kann ohne weiteres mit den primärfarben rot, blau, gelb und weiss (keine primärfarbe) malen.

es ist sogar sehr sinnvoll mit den primärfarben malen zu lernen, da man dann mischen lernt und das ist enorm wichtig.

warum sollte ich aus den primärfarben mischen lernen, wenn ich genausogut jeden nur erdenklichen farbton direkt aus der tube kaufen kann?

ha, einer meiner lieblingsfragen. der grund warum man farben nicht ungemischt aus der tube auf die leinwand patzen sollte ist folgender: die farben eines herstellers werden nicht aus den primärfarben rot, gelb und blau gemischt, sondern aus völlig verschiedenen pigmenten gewonnen. das heisst, dass dass das blau und grün nicht harmonieren, weil das grün nicht aus dem blau und gelb entstanden ist, sondern aus einem xy pigment gewonnen wurde, welches mit dem blau desselben herstellers überhaupt nichts zu tun hat.

aus diesem grund kann ein geübtes auge sofort erkennen, wenn jemand farben direkt und ungemischt aus der tube auf die leinwand patzt. tun sie es nicht, es schaut wirklich schrecklich aus. jetzt könnte ein kluges köpfchen argumentieren: ok, aber du hast doch auch blau UND grün in deiner palette? wie geht das? wasser predigen und wein trinken?

stimmt, aber jeder der phtalogrün aus der tube gedrückt hat, wird merken, dass diese farbe so scheusslich ist, dass wohl niemand auf die idee kommen würde, sie ungemischt zu verwenden. ich verwende sie lediglich als mischbasis, da es einfacher ist aus einem basisgrün das richtige grün zu mischen als aus einem blau. dasselbe gilt für orange und violett. ich verwende sie nur als mischbasis.

soviel einmal zur farbe. natürlich könnte ich noch seiten und seiten schreiben, aber alles der reihe nach..

lernt die regeln und setzt euch dann über einige hinweg...

 

...und hört auf eure instinkte.


goldrausch

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