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o l d r a u s c h _ w i e n
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antimalerei wenn sie zu den leuten gehören, die verfolgen was in der welt der darstellenden kunst passiert, dann ist ihnen sicherlich nicht das schlagwort "antimalerei" entgangen, welches schon seit einigen jahren, wenn nicht gar jahrzehnten herumgeistert. obwohl der begriff nahezu selbsterklärend ist, will ich ein wenig auf ihn eingehen. antimalerei beschreibt die haltung eines kunstschaffenden, der bewusst die tugenden der klassischen malerei ablehnt und in voller absicht möglichst scheusslich und dilettantisch malt. die absicht mag durchaus ehrenwert sein, aber die meisten menschen brauchen sich gar nicht zu bemühen um scheusslich und dilettantisch zu malen. es ist so wie überall im weltall, das chaos ist weitaus verbreiteter als die ordnung und damit auch die scheussliche und dilettantische malweise, egal ob von profis oder amateuren. nun,
dieser kunstrichtung muss man natürlich mit verständnis und
toleranz begegnen, so wie allen zeitgenössischen kunstformen, aber
sie wirft eine reihe von fragen und problemen auf. diese
entwicklung gibt es interessanterweise nur am gebiet der darstellenden
kunst. egal ob man filme macht oder bücher schreibt, wenn man zu
den top leuten gehören will, muss man sich an die form halten,
die sich seit den anfängen dieser kunstrichtungen kaum geändert
hat. natürlich gibt es auch auf diesem gebiet versuche formale
kriterien zu zerstören, aber damit macht man nicht das grosse geld
und bei aller liebe zur kunst, das ist nunmal das grosse anliegen der
meisten kunstschaffenden. die darstellende kunst ist dahingehend insofern
eine ausnahme, da ihr vertrieb nicht durch die masse bestimmt ist, z.b.
eintrittskarten oder verkaufte buchauflagen, sondern hauptsählich
durch einzelverkäufe. d.h. man braucht nicht die allgemeinheit
von der qualität eines kunstwerkes zu überzeugen, die haben
eh nicht das geld sich das zu leisten, sondern es reicht wenn man gatekeeper
und opinion leader überzeugt. die überzeugen dann jene, die
geld genug haben sich diese kunst zu leisten, versicherungen und überdrehte
neureiche, z.b. ein weiteres problem der antimalerei ist ihre entwicklungsfähigkeit. da sie an und für sich wenig zu bieten hat, so muss sie zumindest immer wieder was neues bieten. dem sind phyisische und inhaltliche grenzen gesetzt. man kann die leinwand nur einmal verbrennen und zerschneiden. wer als zweiter kommt, kommt zu spät und mag er noch so sehr behaupten, dass er viel fachgerechter verbrennen und zerschneiden kann, als jener dessen werke in museen hängen. so ähnlich ist es mit der antimalerei. wre malt schlecht? wer malt am schlechtesten? wer kann noch schlechter malen? alle scheusslichkeiten dieser welt sind irgendwann einmal ausgeschöpft und was dann? nicht alle disziplinen unterliegen diesem bedarf nach konstanter erneuerung. ausgenommen sind jene kunstrichtungen, die direkt und unverfälscht die bedürfnisse der konsumenten befriedigen. schauen wir uns zum beispiel den kriminalroman an. hat es da seit maigret oder christie neuerungen gegeben? ja, schon ein bisschen, genauso wie tarantino den film verändert hat, aber im grossen und ganzen ist alles beim alten geblieben. nur
kunstrichtungen, die sich von den bedürfnissen ihrer betrachter
völlig entfernt haben, unterliegen dem zwang der stetigen weiterentwicklung
und erneuerung. wenn man sonst nichts zu bieten hat, so ist das der
einzige trumpf, der eine kunstgattung vor dem aussterben bewahren kann.
für eine zeitlang, zumindest. ausserdem, man kann ja noch immer im zweiten bildungsweg steuerberater oder rechtsanwalt werden.
hört
auf eure instinkte.
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