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alla prima oder lasurenmalerei?


vielleicht haben sie schon von jemandem den tip bekommen, sie sollten unbedingt alla prima malen oder mit lasuren, je nachdem, weil die eine malweise der anderen überlegen sein sollte. das stimmt natürlich nicht, denn die einen springen eben lieber in die höhe als in die weite, aber deshalb ist der hochsprung dem weitsprung keinesfalls überlegen. trotzdem ist die entscheidung ob man eher alla prima oder in lasuren malt, sehr wichtig. aber bevor man sich für die eine oder andere malweise entschliesst, sollte man vielleicht wissen worauf man sich einlässt.

lasurenmalerei - vor und nachteile

der ursprung der lasurenmalerei liegt in der eitemperamalerei, die aufgrund ihrer einfachen und überall zugänglichen ingredienzen (wasser, pigmentstaub und eidotter) eine der ältesten maltechniken überhaupt darstellt. zunächst machte man eine vorzeichnung und dann pinselte man mit einer dunklen farbe (meistens ein kaltes braun) so lange drüber, bis die vorzeichnung gerade noch sichtbar war. dann hellte man in schichten von dieser dunklen suppe bis in die höchsten helligkeiten auf. wichtig dabei ist, dass die schichten komplett durchgetrocknet sein müssen, bevor man die nächste schicht drüberlegt. noch ein kleiner hinweis. puristen betonen immer wieder, dass eine lasur nur eine dunkle schicht über einen helleren grund darstellt. eine hellere transparente schicht über einen dunklen grund ist demnach keine lasur, sondern - keine ahnung was, eine übermalung halt. der einfachheit halber werde ich im folgende beide arten von transparenten übermalungen lasuren nennen. die puristen mögen es mir verzeihen.

öllasurenmalerei funktioniert genauso mit dem einzigen unterschied, dass die ölfarbe länger zum trocknen braucht.

ein entscheidender vorteil der lasurenmalerei ist das tiefenlicht. da sämtliche schichten transparent sind, dringt das licht bis in die untersten schichten durch. diese farben leuchten dann förmlich aus der tiefe des bildes heraus.
ein anderer vorteil ist die möglichkeit fehler zu korrigieren. mit jeder neuen schicht können sie form oder farben neu auftragen, ohne das gesamtkonzept des bildes ändern zu müssen. wenn sie mit den farbkontrasten unzufrieden sind, legen sie einfach eine transparente dunkle lasur über die jeweilige stelle und arbeiten die helligkeiten neu heraus.

ein nachteil der lasurenmalerei ist die mit dem langwierigen malprozess einhergehende "steife" der motive. figuren und objekte schauen oft leblos und ikonenhaft aus. muss nicht immer ein nachteil sein. es gibt motive, denen diese eigenschaften gut stehen, aber man sollte sich der wirkung bewusst sein.

alla prima

alla prima (frei übersetzt: auf einen sitz) ist eine relativ neue art der malerei und wurde erst in der 2. hälfte des 19 jahrhunderts so richtig populär. es gibt eine alla prima hardcore und softcore variante. die hardcore variante heisst, dass man das bild wirklich auf einen sitz, d.h. ohne pause beendet. das wird in der regel bis zu 10 oder 14 stunden dauern. von mehr oder weniger manisch oder masochistisch veranlagten kollegen sind mir auch schon bis zu 48 stunden genannt worden. die softcore variante bedeutet, dass man die schichten nie komplett durchtrocknen lässt, was wiederum heisst, dass man daran auch einige wochen oder wie lang auch immer malen kann.

ausschlaggebend ist nur, dass man immer wieder in eine noch nasse farbschicht hineinmalt.

ein wichtiger vorteil der alla prima malerei ist die lebendigkeit der darstellung vor allem im vergleich mit der lasurenmalerei. guten alla prima malern kommt es meistens nicht so sehr auf die detailgenauigkeit an, sondern vielmehr auf expression und dynamik.

ein nachteil ist die hohe anforderung an den maler. alla prima malerei toleriert nämlich nur eine begrenzte anzahl von korrekturen. wenn man form und farben immer wieder korrigiert und immer wieder neue farbe aufträgt, so wird der bildgrund früher oder später (meistens sehr früh;) völlig versossen und vergrauen und es wird der zeitpunkt kommen, wo jeder weitere pinselstrich absolut wirkungslos in der schon aufgetragenen farbe untergeht. dieser umstand führt zu einer etwas unorthodoxen situation. obwohl die meisten menschen mit der alla prima malerei sehr expressive und schmissige malweise verbinden, erfordert gerade sie ein sehr konzentriertes planmässiges vorgehen. vorausgesetzt man will kontrollierbare ergebnisse erzielen, natürlich.

deshalb würde ich sagen, dass die alla prima malerei im grunde die anspruchsvollere malweise ist und das der unerfahrene malschüler zunächst mit der lasurenmalerei besser aufgehoben ist. was natürlich nicht heisst, dass nicht zu übungszwecken die eine und andere malweise ausprobiert werden sollte.

ein anderer hinweis. ich höre immer wieder von malern, wie sie stolz verkünden, dass sie mit zugabe von hilfsmitteln die eigenschaften ihrer malmaterialien so verändern können, dass sie anderen malmitteln ähnlich kommen. beispiel, dass man mit acryl wie mit öl (z.b. pastos) oder mit öl wie mit acryl malen kann (öl trocknet fast sofort und ist sehr wässrig und transparent). das erscheint mir nicht sinnvoll. oder besser gesagt, es ist genauso sinnvoll wie einen ferrari umzubauen, damit man mit ihm rally cross fahren kann. gescheiter wäre es in dem fall gleich einen opel manta zu kaufen. wenn man pastos malen will, sollte man mit öl malen, wenn man wässrig und sofort trocknend malen will, sollte man acryl farben nehmen.

noch ein anderer hinweis. es gibt keine allgemeingültigen wahrheiten (nicht einmal wenn ich mich bemühen sollte, sie von mir zu geben...:) wenn jemand wirklich die malhilfsmittelindustrie am leben erhalten will und unbedingt acryl mit ölfarbeneigenschaften braucht um als maler ein glückliches und erfülltes leben zu führen, dann ist das gut so. mit meinen hinweisen und tips will ich nur menschen anregen, ihre standpunkte zu hinterfragen. wenn sie sich dann bewusst anders entscheiden, dann lässt sich dagegen nichts einwenden. deshalb...

...hört lieber auf eure instinkte als auf mich

goldrausch

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